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Letzte Änderung am: 01.06.2005

Sie interessieren sich für Heraldik und möchten gerne einige grundlegende Informationen über dieses faszinierende Wissensgebiet erhalten? Dann sind Sie hier richtig. In aller Kürze erhalten Sie auf dieser Seite Infos über:

Entstehungsgeschichte:

Minnesänger Wahsmut von Kunzich, um 1200

 

 

Wappen verdanken ihre Entstehung dem mittelalterlichen Bewaffnungswesen. Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand darin, den von Helm und Rüstung bis zur Unkenntlichkeit gepanzerten Ritter auf dem Schlachtfeld oder dem Turnierplatz eindeutig zu kennzeichnen. Ähnlich wie unsere heutigen Verkehrszeichen mußten daher Wappen auf weite Sicht erkennbar sein. Deshalb bestanden die Wappen der Ursprungszeit (etwa ab 1125) gewöhnlich nur aus farbiggestalteten Flächen, den sogenannten Heroldsbildern oder enthielten einzelne, einfach gestaltete Figuren.

Die geeignetste Fläche zur Anbringung dieses Erkennungszeichen bot der Schild, der ja infolge seiner Großflächigkeit ein besonders auffälliger Teil der ritterlichen Rüstung darstellt. Wechselte anfänglich noch dieses Schildbild nach taktischen Erfordernissen des Kampfes, so wurde es bald mehr und mehr zum beständigen, unverwechselbaren Kennzeichen seines Trägers. Außer dem Schild wurden Helm, Waffenrock und Pferdedecken mit dem Wappen und den Wappenfarben versehen.

Im Laufe der Zeit löste sich das Wappen von seiner militärischen Ausgangsfunktion und entwickelte sich zum allgemeinen Erkennungs- und Besitzzeichen einer ritterlichen Einzelperson oder seiner gesamten Familie. Im 13. Jhdt verbreitete sich der Wappengebrauch auch auf adelige Frauen, Geistliche, Bürger, Bauern und Handwerker, sowie auf Städte, Gilden, Zünfte, Bistümer und Abteien.

Bis heute hat jeder Bürger das Recht zur Annahme eines Wappens und seiner Führung. Vor 1919 oblag in Deutschland die Genehmigung, Registrierung und Verleihung von Familienwappen staatlichen Organen. Mit Einführung der Weimarer Verfassung endete diese staatliche Aufsicht. Heute pflegen Heraldische Vereine, wie beispielsweise "Der Wappenlöwe" in München diese Tradition und registrieren und publizieren Familienwappen in vereinseigenen Wappenrollen.

Eng mit der Entstehungsgeschichte der Wappen sind die Begriffe Herold und Heraldik verbunden. In der Blütezeit des Wappenwesens waren Herolde Bedienstete, die die Vielzahl der Wappen kannten und identifizieren konnten. Aufgrund dieser in einer Schlacht unentbehrlichen und überlebenswichtigen Kenntnis gelangten sie recht bald zu hohem Ansehen. Sie fungierten dabei auch im "diplomatischen Dienst" und genossen Immunität. Mit dem Ende des Turnierwesens fand auch die Tätigkeit der Herolde ein Ende. Ihre Nachfolge haben staatliche Heroldsämter und heraldische Vereinigungen angetreten.

Vom Begriff des Heroldes ist das Wort Heraldik abgeleitet. Darunter versteht man die Lehre von den Regeln der Wappenführung und Wappendarstellung sowie der Geschichte des Wappenwesens.

 

 

Grundregeln:

John William MacFie
Esquire of Dreghorn and Colinton

 

 

 

 

 


 
  •  Wappenaufbau

Das Wappen besteht aus zwei Hauptteilen, dem Schild und dem Oberwappen. Der Schild (die Schilde, nicht: das Schild, die Schilder!) dient zur Aufnahme des Schild- oder Wappenbildes im engeren Sinne und darf auch alleine verwendet werden.

Im Verlaufe des Mittelalters haben sich die Schildformen immer wieder den geänderten Bedingungen der Waffentechnik angepaßt. Die älteste Form stellt der im 11. Jhdt verwendete mandelförmige Schild (der sogenannte Normannenschild) dar. Er schützte die gesamte, dem Gegner zugekehrte Seite des Kämpfers von der Höhe der Augen bis unterhalb des Knies. Mit der immer vollkommener werdenden Körperpanzerung wurden die Schilde kleiner, bis sie um 1375 als Schutzwaffe des gepanzerten Reiters völlig verschwanden. Aus dieser Phase stammen die heute verwendeten heraldischen Schilde, der Dreieck- und der Halbrundschild.

Die in einer Wappenzeichnung benutzten Form eines Schildes sollte stilistisch mit den übrigen Teilen des Wappens in Einklang stehen.

Ob der Schild schräg oder gerade stehend dargestellt wird, ist gleichgültig. Die Schrägstellung war die natürlichere, da sie bei Anhängung des Schildes mittels des Schildriemens an der Wand entstand.

Das Oberwappen setzt sich aus dem Helm, den Helmdecken und der Helmzier zusammen. Wie der Schild hat auch der Helm im Laufe der Zeit eine waffentechnische Entwicklung erlebt. In die Heraldik haben hierbei lediglich Topf-, Kübel-, Stech- und Bügelhelm Eingang gefunden. Der Stechhelm hat sich als Wappenhelm für bürgerliche Familien herauskristallisiert. Der Bügel- oder Spangenhelm tritt erst ab Mitte des 15. Jhdts in Verbindung mit den Kolbenturnieren auf. Bei diesen Turnierspielen ging es darum, dem Gegner mit einem Kolben dessen Helmzier herunterzuschlagen. Er hat sich als Wappenhelm für adelige Familien eingebürgert.

Helmdecken sind der aus Stoffbahnen bestehende Kopf- und Nackenschutz des Ritters gegen Sonneneinstrahlung. Sie kamen im 13. Jhdt auf. Bei der Gestaltung der Helmdecken ist dem Zeichner viel Raum gelassen. Sie werden üblicherweise gezaddelt, d.h. blatt- oder spitzenförmig ausgeschnitten dargestellt. Im allgemeinen geben die Helmdecken die Hauptfarben des Schildes wieder, wobei die Außenseite die Farbe, die Innenseite das Metall trägt.

Die Helmzier spielte vermutlich im tatsächlichen Kampf keine Rolle, da sie eher störte, denn nutzte. Das Tragen der Helmzierden nahm jedoch bei der mittelalterlichen Turnierpraxis einen wichtigen Raum ein. Vor jedem Turnier fand eine ausgedehnte Helmprobe statt, ein Zeremoniell, bei dem die Herolde eine äußerst wichtige Rolle spielten. Wie beim Schildinhalt ist auch bei der Helmzier die Zahl der möglichen Bilder unerschöpflich groß. Gibt die Helmzier (auch Helmkleinod genannt) den Schildinhalt wieder, wird sie oftmals als Hilfskleinod bezeichnet. Im Gegensatz dazu sind die Schmuckkleinode zu sehen. Sie haben lediglich schmückenden Charakter, bzw. Pfauenstöße, Straußenfedern, Hüte, Federbüsche und Köcher.

Bei der Anbringung der Helmzierden ist darauf zu achten, daß diese ausreichend auf dem Helm befestigt sein müssen. Vielfach ruht daher die Helmzier auf einem Helmwulst. Dies ist ein aus Stoffstreifen gewundener Kranz, der in den Farben der Helmdecken dargestellt wird.

  •  Schildinhalt (Heroldsstücke und Figuren)

Der Schild ist der Hauptbestandteil eines Wappens. Er dient zur Aufnahme des eigentlichen Wappenbildes. Da die Variantenvielfalt einfarbiger Schilde doch recht beschränkt ist, ging man bereits in der Frühzeit der Heraldik dazu über, den Schild durch geometrische gerade und gebogene Linien in Felder aufzuteilen. Diese Felder oder Plätze konnten dann unter Anwendung der Farbregeln verschiedenfarbig tingiert werden. Die durch diese Aufteilungen entstehenden Schildteilungen werden auch Heroldsstücke oder Heroldsbilder genannt. Die durch sie gebildeten Kombinationen sind von ihrer Anzahl her schier unerschöpflich.

Schildteilungen oder Heroldsstücke können zusätzlich in mannigfaltiger Weise mit Figuren kombiniert werden. Der Bereich der möglichen Figurendarstellungen umfaßt praktisch die gesamte Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen. Es wäre ein Stilbruch, in einem Wappen Erzeugnisse unserer heutigen von Maschinen und Computern geprägten Welt zu verwenden. Ansonsten sind der Phantasie nahezu keine Grenzen gesetzt.

Beliebte Figuren sind Pflanzen, Bäume, Blumen, Fische, Vögel und Tiere. Ferner können Bauwerke, Fahrzeuge, Handwerksgerät, landwirtschaftliches Gerät, Waffen, weltliche und geistliche Würdezeichen, Bekleidung, Schmuck und Musikinstrumente dargestellt werden. Einen großen Raum nehmen auch die Abbildungen von Fabelwesen sowie Heilige, Engel und Menschen ein.

Ein wesentliches Merkmal der Heraldik ist bei der figürlichen Darstellung die Beschränkung auf prägnante Details der Gesamtfigur. So kann beispielsweise eine Buche in Gänze, aber auch durch ein Blatt oder eine Buchecker abgebildet werden.

  • Farbregeln

Ein wesentliches Element der Heraldik stellt die Verwendung von Farben dar. Wappen ohne Farben gibt es nicht, Wappen ohne Figureninhalte sind dagegen normal. Der Stellenwert der Farbe in der Heraldik ist so hoch, daß beispielsweise eine Farbänderung gleichbedeutend mit einer Wappenänderung ist.

Das Wappenwesen kommt mit nur 4 Farben aus: Schwarz, Grün, Blau und Rot. Daneben werden noch die beiden Metallfarben Silber und Gold verwendet. Aus praktischen Erwägungen heraus kann bei einer farblichen Wappendarstellung Gold durch Gelb und Silber durch Weiß ersetzt werden.

Geprägt durch den Zwang der guten Sichtbarkeit hat sich bereits in der heraldischen Frühzeit die Grundregel ergeben, daß Farben und Metalle stets abwechselnd verwendet werden. Demzufolge ist es nicht zulässig, einen roten Adler auf blauen, grünen oder schwarzen Grund zu setzen, sehr wohl aber einen roten Adler auf goldenem oder silbernem Feld. Die Einhaltung dieser Grundregel verlangt bei mehrfeldrigen Wappen, also Wappen, die durch geometrische Linien in mehrere Flächen aufgeteilt sind, eine gewisse Flexibilität. Wesentlich ist hierbei, daß ein Aufeinander von Farbe und Metall vermieden wird. Ein Nebeneinander kann dagegen toleriert werden.

Die Anwendung natürlicher Farben widerspricht ebenfalls den Grundsätzen heraldischer Darstellung und kommt daher auch selten vor. Da die Wappenkunst es gestattet, alle Figuren in allen heraldischen Farben zu tingieren (färben), ergibt sich die Notwendigkeit der Anwendung natürlicher Farben nicht. So sind blaue Löwen oder goldene Bäume durchaus üblich. Eine Ausnahme bildet die menschliche Fleischfarbe. Sie kann beibehalten werden, wenn eine Umsetzung in Silber nicht gewünscht ist.

Werden Wappen schwarz-weiß dargestellt, so ersetzt man die verwendeten Farben durch Schraffierungen.

 

Blasonierung (Wappenbeschreibung):

Wappen der aus Kronach (Oberfranken) stammenden Familie Welscher

Registernummer 1729-06/92 in der Wappenrolle
 der Heraldischen Gesellschaft e.V.
 "Der Wappen-Löwe"

 

Eine der Aufgaben eines mittelalterlichen Heroldes bestand darin, bei der Ankunft eines unbekannten Ritters dessen Identität anhand des geführten Wappens zu vermelden. Abgeleitet aus dieser Tätigkeit entstand der Begriff "Blasonierung" (frz. Blason, Wappen) für die genaue und spezifische Beschreibung eines Wappens. Diese Blasonierung oder Wappenbeschreibung spielt in der Heraldik eine entscheidende Rolle, da ein Wappen einzig und allein durch diese fachgerechte Beschreibung festgelegt wird. Die Wappenbeschreibung stellt sozusagen das "Urmuster" des Wappens dar. Jede bildhafte Wiedergabe, die dieser Blasonierung entspricht, ist zulässig; sie hat jedoch nur Abbildungscharakter. Dies ermöglicht eine fortlaufende Anpassung eines Wappens an den jeweiligen Zeitgeschmack (Gotik, Barock, Renaissance, Neuzeit). Nach den völlig überladenen Wappen der Barockzeit besinnt sich der Heraldiker heute wieder auf die klare Strenge und Prägnanz der Gotik.

Im kommunalen Wappenwesen werden allerdings ergänzend zur Blasonierung amtliche Musterzeichnungen verwendet. Dies widerspricht zwar der heraldischen Überlieferung, bei der Verwendung als Hoheitszeichen ist jedoch eine einheitliche Darstellungsform unerläßlich.

Die Wappenbeschreibung erfolgt in einer für den Laien meist unverständlichen Fachsprache. Es bedarf einer gewissen Schulung, um zu wissen, was "gemeine Figuren" und "Heroldsfiguren" sind, wo auf dem Schild "rechts" oder "lonks" ist, welcher Unterschied zwischen "teilen" und "spalten" besteht, wie ein Schild schräglinks geteilt wird und was "belegen" und "beseiten" bedeutet. Zum Unterschied von "gemeinen Figuren", zu denen Menschen, Tiere und gegenständliche Figuren aus allen Bereichen der Natur und des Lebens zählen, sind "Heroldsfiguren" geometrische Zeichen, Aufteilungen des Schildes durch gerade und gebogene Linien. Die Orientierung auf dem Wappenschild wird immer auf den Schildträger bezogen. Heraldisch "rechts" ist daher von vorne gesehen links! Bei einer senkrechten Teilung des Schildes spricht man von einer "Spaltung", bei einer waagerechten von einer "Teilung". Eine Figur kann mit einer kleineren Figur "belegt" werden. Die kleinere Figur kann aber auch seitlich neben der Hauptfigur dargestellt werden; dann "beseitet" sie diese.

Am ehesten werden diese Begriffe verständlich, wenn Sie sich in aller Ruhe ein Wappen anschauen und die entsprechende Blasonierung Wort für Wort mit der Wappendarstellung vergleichen. Als Beispiel möge das von uns entworfene Wappen der Familie Welscher dienen:

"Unter einem mit einer goldenen Leiste im Zick-Zack-Schnitt abgeteilten blauen Schildhaupt, darin rechts ein goldener fünfarmiger Seestern; in Rot ein silberner schlräglinker Wellenbalken, begleitet links unten von einer goldenen Lagerkrone;

auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein rotbewehrter und -gezungter wachsender schwarzer Löwe, in den Pranken eine silberne Flößerstange mit goldenem Hakenbeschlag."

 

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