Der Ochsenweg oder Hærvejen:

Auf der Cimbrischen Halbinsel, zwischen dem Norden Jütlands und der Elbe erstreckt sich ein uralter Fernhandelsweg, der mit heutigen Wege- oder Straßenverhältnissen jedoch in keiner Weise vergleichbar ist. Im dänischen Sprachgebrauch wird er hauptsächlich "Hærvej" (Heerweg) genannt, im deutschen Teil der Halbinsel ist die Bezeichnung "Ochsenweg" üblicher. Andere Namen für diese bedeutende Verkehrsader im Verlauf der Geschichte waren Pilgerweg, Romweg, Sachsenweg, Adelsweg und Königsweg. Noch heute geht von diesem länderübergreifenden Fernhandelsweg eine enorme Faszination aus, wie die zahlreichen Veranstaltungen, Bücher und Vorträge über dieses Thema beweisen.

Historiker vermuten, daß die Anfänge dieses Handelsweges irgendwann in der jüngeren Steinzeit liegen, also in der Zeit zwischen 4200 und 1800 vor Christus. Ein Indiz für diese Annahme sind Radspuren, die 1958 unter einem bronzezeitlichen Grabhügel in der Nähe der dänischen Stadt Vojens gefunden wurden. Der uralte Weg beginnt in der Gegend von Viborg und folgt der jütischen Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee Richtung Süden. An der Königsau (Kongeå), der Nordgrenze des früheren Herzogtumes Schleswig, ändert sich der Trassenverlauf. Der Weg folgt nun einem schmalen Band entlang der Endmoränen und tangiert dabei die Städte Apenrade (Åbenrå), Flensburg und Schleswig. Bei Rendsburg überquert der Handelsweg die Eider. Südlich der Eider fächert sich die Verbindung in mehrere Varianten auf, die aber alle letztendlich den Elbübergang bei Wedel erreichen. Die alten Wege der Vorgeschichte paßten sich den vorherrschenden Geländeverhältnissen an. Sie umgingen unwegsame Gebiete und verließen ausgefahrene Spuren. So entstanden ständig neue Trassen parallel zu den alten. Der Verlauf dieser unbefestigten Wegspuren ist in vielen Gebieten unklar und kann nur verschwommen erahnt werden. In anderen Teilgebieten dagegen existieren sogar noch gut erhaltene Wegerelikte.

Vieles spricht dafür, daß die ersten Reisenden auf diesem großen Landweg durch Jütland Händler waren. In Abhängigkeit vom erdgeschichtlichen Zeitalter werden sie mit Flintstein-, Bronze-, Kupfer- und Eisenprodukten gehandelt haben. Aber auch Salz, Hopfen, Flachs und Luxusgüter aus dem römischen Kulturkreis sind auf diesem Handelsweg nach Nordeuropa gelangt.

Seit dem 12. Jdt kam es in Mitteleuropa im Verlauf einer kurzen Zeitspanne zu zahlreichen Neugründungen von Städten. Dies hatte zwangsläufig auch eine zunehmende Bevölkerungsdichte zur Folge. Um die Städte wirtschaftlich versorgen zu können, entwickelte sich die Zufuhr von Viehherden aus speziellen Aufzuchtgebieten. Auf weiten Triftwegen wurden die Tiere in die Nähe der Verbraucherzentren getrieben, wo sie ihre Endmast erhielten. Vor allem dänische Ochsen waren in Deutschland und in den Niederlanden wegen ihrer hervorragenden Fleischqualität sehr begehrt. Folgerichtig sprach man in dieser zeitlichen Epoche vom "Ochsenweg".

Der Ochsenexport hatte gewaltige Dimensionen. Der erste überlieferte Rechenschaftsbericht des Herzogtumes Schleswig berichtet von knapp 13.000 Ochsen, die die Landesgrenzen im Jahre 1485 passierten. Diese Zahl schwoll ständig an und pendelte sich bei ca. 40.000 - 50.000 Ochsen pro Jahr ein. Etwa 14 bis 21 Kilometer legten die Herden dabei täglich zurück, unterbrochen von Tagen der Rast. Da die Ochsentriften Dörfer und Städte zu meiden hatten, entstanden entlang des Weges Rastplätze, Tränken und Unterkünfte. Die meisten der alten historischen Krüge, die noch heute an der großen Nord-Süd-Verbindung durch Schleswig-Holstein und Dänemark zu finden sind, entstanden in dieser Zeit. Ein nicht zu umgehendes Nadelöhr war die Stadt Rendsburg wegen des Eider-Überganges und der dortigen Zollstelle zwischen dem dänischen Landesteil Schleswig und dem deutschen Holstein. Die Chronik berichtet beispielsweise, daß am 16. März 1617 fast 12.000 Rinder durch die Straßen der Stadt getrieben wurden.

Erst der Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert brachte die 700jährige Tradition der Ochsentriften zum Erliegen. Die Bahn, deren Trassenverlauf sich im übrigen eng an den Verlauf des Ochsenweges anlehnt, war dem Ochsentrift grundsätzlich an Geschwindigkeit überlegen. Ferner war nun auch der Transport von Fettvieh möglich, was die Gewinnspannen erhöhte.

Ebenfalls auf eine lange Tradition können die Kriegs- und Heerzüge auf diesem großen Landweg vom Norden Jütlands bis zur Elbe und umgekehrt zurückblicken. Obwohl sie nicht so alltäglich waren wie die Ochsentriften, waren sie für die Anwohner viel einschneidender in ihren Auswirkungen. Die Bezeichnung "Heerweg" läßt darauf schließen, daß die wenigen Kriegszüge im Vergleich zu den unzähligen Ochsentriften doch auch sehr nachhaltig die Erinnerung prägten. Der erste schriftlich überlieferte Hinweis auf einen Kriegszug war der des Kaisers Otto II gegen die Dänen im 10. Jahrhundert. Besonders schlimm waren die Belastungen für die Menschen am Heerweg zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Die Landsknechte verschafften sich in den Dörfern und Städten rücksichtslos Einquartierung und Proviant. Und noch im 19. Jahrhundert diente der Heerweg als wichtige Aufmarsch- und Rückzugstrasse für die Armeekolonnen Preußens, Österreichs und Dänemarks bei ihrem Kampf um Schleswig-Holstein. Zahlreiche Spuren alter Wegsperren zeugen von der kriegerischen Vergangenheit des Heerweges. Die bekanntesten sind der "Olgerdig" bei Tingleff (Tinglev), der "Æ-Vold" nahe Apenrade (Åbenrå) und das "Dannewerk" bei Schleswig.

Ein weiterer prägender Aspekt war die Religion. Mit zunehmender Christianisierung des Nordens setzten auch Wallfahrten und Pilgerreisen ein. Sie führten zu den großen Heiligtümern der Christenheit, die sich alle in der Mitte und im Süden des Abendlandes befinden. Die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Dom zu Köln, die Reliquien des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago-de-Compostela, der Petersdom mit dem Sitz des Papstes in Rom und schließlich das heilige Jerusalem, der Geburtsort der Christenheit, wirkten auf die damaligen Christen wie Touristenhochburgen auf den modernen Menschen. Der Namen "Rom-Weg" oder "Pilgerweg" spricht für diese Bedeutung der Nord-Süd-Verbindung über die cimbrische Halbinsel. Der isländische Abt Nicolaus Sæmundarson erinnert sich um 1150 an seine Pilgerfahrt: „Von Norwegen reist man zunächst nach Ålborg in Dänemark. Romfahrer rechnen mit einer zweitägigen Reise von Ålborg nach Viborg, von dort mit einer Wochenreise nach Hedeby,von dort kurz nach Schleswig und in einer Tagesreise zur Eider. Man durchquert die Länder Dänemark, Holstein, Sachsen und das Wendenland. Von dort ist es eine Tagesreise nach Haitsinnaby [Itzehoe] in Holstein; von dort setzt man über die Saxelven [Elbe] nach Stade." Heute ersetzen Touristenströme auf der Autobahn A7 die historischen Wallfahrerzüge. Dabei folgt auch die Autobahn im Wesentlichen dem Verlauf der alten historischen Landverbindung.


Mit dem Begriff "Wappen" ist die Vorstellung von Dauerhaftigkeit, Kontinuität und Tradition verbunden. Doch muß bei Kommunalwappen unterschieden werden, ob die Wappeninhalte "original" sind, d.h. den geschichtlichen Verhältnissen der Entstehungszeit entsprechen, oder ob sie im Rückgriff auf nicht mehr aktuelle Zeichen in historisierender Weise geschaffen worden sind. Im ersten Fall ist das Wappen eine Geschichtsquelle, im zweiten ein historisches Erinnerungszeichen.

Nachfolgend werden dänische und schleswig-holsteinische  Kommunalwappen vorgestellt, die in ihrer Symbolik von diesem alten Fernhandelsweg geprägt wurden und auf diesen verweisen. Es handelt sich also um historische Erinnerungszeichen.

Leider klappt die Verlinkung mit Hotspots noch nicht. Deswegen kann ich Ihnen momentan nur den allgemeinen Link auf die Wappenseite anbieten, auf der die Orte in alphabetischer Reihenfolge beschrieben werden. Viel Vergnügen bei Ihrer heraldischen Wanderung auf dem Ochsenweg!

 

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